mart joch kehl

Programme im Solo- und
Duoformat

BuiltWithNOF

Martina Gemmar
 
Musikalische VersAbdrücke mit
Poesie, Verstand & Humor

Mai 2012 Buchveröffentlichung:
Das Ungeheure von Loch Ness, illustriert von Armin Hott

neue MundArt CD “Kää Ruh”
 seit Nov. 2010 zu haben...

E-Piano & Gitarre
Hochdeutsch & Pfälzisch
HÖREN unter
www.myspace.com/martinagemmar

“Liedermacher” - 10 Vorurteile -
             oder doch nicht?
 ein paar  Gedankengänge


1.   Die Zeit der Liedermacher ist vorbei-
       Waldeck, Wecker, Wader, Mey-
       das war einmal!

2.   Wenn es eine Quote für deutschsprachige Musik gäbe,
     ginge es auch  den Liedermachern wieder besser.

3.   Ein Liedermacher kann nur schreiben, wenn er grade ne
       Inspiration hat. Seine Hauptarbeit besteht darin, die Antennen
       auszufahren. Geschirr spülen müssen andere, sofern diese
       Tätigkeit kein Lied abwirft.

4.   Bei einem Liedermacher-Programm ist Langeweile
     vorprogrammiert, denn es strotzt nur so von tiefschürfenden
     Textpassagen, C-Dur-Akkorden und Moderationen wie “Das
     folgende Lied entstand, nachdem die Sache mit Gundula...”;
     “als im letzten Jahr meine Erbtante verstarb, kamen mir folgende
       Zeilen...”.

5.   Jetzt soll ich dem Liedermacher da eine Gage zahlen und dann
     auch noch GEMA blechen, nur dass der danach  über diesen
     Weg auch noch Kohle kriegt. Nee. Soll der doch selbst die
     GEMA übernehmen und froh sein, wenn er hier spielen darf.

6.   Wenn einem Liedermacher nichts einfällt, schreibt er mit
       Sicherheit ein Lied darüber, dass ihm nichts einfällt. Und mit
       Sicherheit schreibt er auch ein Lied darüber, wie man ein Lied
       schreibt oder wie (schwer) es ist, ein Liedermacher zu sein.
       Und bildet sich dann auf diese Strategie auch noch einiges ein.
       Denn ein Liedermacher kreist  am liebsten um  eines:
       Das eigene EGO.

7.   Ein Liedermacher macht Lieder, um sich den Psychiater
       zu sparen oder um den Gang dahin zumindest ein wenig
       hinauszuzögern. Er betreibt Selbsttherapie/ Problembewältigung
       auf Kosten des  Publikums- und zwar demonstrativ!
       Und wenn’s dick kommt, findet er auch noch  Zuhörer, die gerade
       das ganz toll finden und ihn   dann als  “authentisch” bezeichnen-
       je kranker, desto authentischer!

8.   Liedermacher sind uncool, wenn überhaupt, sollten sie sich
     Songwriter nennen. Das geht noch irgendwie und klingt weniger
     nach Birkenstock und Latzhose. Außerdem deutet sich so
     einfach ein größeres Groove-Potential der Stücke an.
     Wer sich Liedermacher nennt, klingt nach Mey, wer sich
     Songwriter nennt, klingt nach Dylan.

9.   In einem Liedermacher-Programm singt einer Lieder und sagt die
     Lieder an und das war’s.

10.  Wenn Liedermacher über die genannten Punkte keine Lieder
       schreiben,  machen sie zumindest einige überflüssige
       Bemerkungen darüber auf ihrer Homepage.

11. Frauen als Liedermacher sind selten- und wenn es welche
     gibt, dann sind das schreckliche Emanzinnen. Die noch nicht mal
     bis 10 zählen können und immer das letzte Wort haben müssen.

1. Wenn dieser Satz hörbar wird, stellt sich mir immer die Frage,  inwiefern da jemand spricht, der sich
   überhaupt schon mit der aktuellen Szene befasst hat- sei es über Veranstaltungen, Magazine wie den
   Folker
www.folker.de oder ähnliches. 
   Sicher gibt es die breite Medienaufmerksamkeit für  Liedermacher heute nicht ( mehr).
   Aber es gibt eine Szene, eine sehr  lebendige, mit vielen kreativen Geistern, die durchaus auch
   schon Publikum gefunden haben und finden.  Die breite Öffentlichkeit kennt sie nur nicht. vgl. myspace

2. wage ich zu bezweifeln- die Medien würden  die Vertreter deutschsprachiger Musik spielen,
   die auch jetzt ab und zu zu hören sind, Wecker, Wader, Mey, Grönemeyer, Naidoo,...;
   der alternativen Musikszene, die zum größten Teil z.B. CDs auch im eigenen Label produziert,
   würde deshalb noch lange nicht die Aufmerksamkeit zuteil, die ihr zusteht. Dafür sorgen
   schon die großen Plattenfirmen und das “Abnudelsystem” der Rundfunk-Sender.   

3. Arbeiten eines Liedermachers? Ich seh mich immernoch als Anfängerin, aber auch da (oder grade da)
   steht einiges an:
   Üben und in Übung bleiben sowohl bezüglich der Liedtexte als auch der Liedbegleitung, ,  Stunden für
  Veranstalter-Recherche und Akquise am Computer verbringen, Homepagepflege, Kontaktpflege, Texten &
  Arrangieren  neuer Lieder, Konzeption von CD-Produktionen, Erstellung von Werbematerialien,
  Formalkram mit GEMA und GVL, Auftritte vor- und nachbereiten,
   und Schreiben, ob mit oder ohne momentane Inspiration und Kerzenschein...und Hausarbeit!

4. Poesie, Humor & Verstand versus Pseudo-Tiefschürfen ist mein Motto. Ich hoffe, ich werde ihm gerecht.
   Musikalisch sind die heute gestellten Ansprüche an Songwriter/ Liedermacher um einiges gestiegen.
   Viele haben ein entsprechendes Studium absolviert. Viel Arbeit wird investiert, um mehr zu bieten
   als die gängige Dur-Kadenz. Ebenso wird an Moderationen nicht wenig geschliffen und der Anspruch
   geht im Großen und Ganzen doch hinaus über die ichbezogene Beschreibung des Entstehungskontextes
  eines Liedes. Sofern es gut gemacht ist und nicht bei jeder Moderation anklingt oder wirklich interessant ist-
   finde ich aber letztere auch verzeihlich.

5. Was ein Liederschreiber von der GEMA kriegt für ein mit eigenen Stücken absolviertes Konzert, weiß er
   in den meisten Fällen nicht. Ich weiß es wirklich nicht im geringsten abzuschätzen und gehe von einem
   Minimalbetrag aus. Liebe Veranstalter, das Komponieren und Texten macht wirklich einiges an Arbeit,
   v.a. wenn man sich nich gleich mit dem erstbesten Reim zufrieden gibt. Bitte muten Sie uns nicht auch
   noch zusätzliche Kosten zu. Obgleich klar ist, dass der geforderte Betrag nicht selten auch an Ihrer Existenz
   kratzt.

6. Ich unterstelle, dass man zu einer  zwanghaften Thematisierung  der eigenen Tätigkeit am ehesten im
   Anfangsstadium geneigt ist. Obwohl es natürlich immer ein gewisser Drahtseilakt bleiben wird, inwiefern
   man eigenen Gedanken nun so viel Bedeutung zugesteht, dass man sie für ein Lied aufgreift oder nicht.
   Wie kommt man überhaupt dazu, einen Gedanken so wichtig zu nehmen, dass man seine Zeit damit
   verbringt, ihn zu einem Lied zu verarbeiten-  statt in dieser Zeit etwas konkret Sinnvolles zu tun, wie
   neue Glühbirnen einzuschrauben, oder endlich im Wohnzimmer aufzuräumen?
   Irgendwo muss da schon eine Art Eitelkeit vorhanden sein...
   Was gibt einem das Recht dazu, einer Inspiration zu folgen, statt wie so viele andere auch einfach einer
   stinknormalen vordergründig nützlichen Arbeit nachzugehn? Aber das ist schon die Frage nach der
   Existenzberechtigung von Künstlern allgemein- zu viel für einen Sonntagnachmittag...
   “Ich singe, weil ich ein Lied hab...” würde mir Hr. Wecker jetzt wohl entgegenschmettern-
   alla guut

7. Es gibt zum Glück viele, die diesem Vorurteil nicht gerecht werden. Sicher ist häufig ein gewisser
   autobiografischer Anteil zu spüren- und in diesem Zusammenhang auch etwas wie wirkliche
   “Authentizität”-  aber schwierig  wird es für mich an dem Punkt, wenn sich der Zuschauer nur
   noch dauernd fragt, welches Erlebnis denn diesen Menschen nun wieder  zu diesem Lied gebracht hat,
   anstatt frei seine eigenen Assoziationen dazu entwickeln zu können.
   Für mich ist es ein wichtiges Ziel, jede Art unnötiger bzw. störender Selbstdarstellung zu vermeiden.
   Wenn letztere sich zwischen das Lied und den Zuhörer schiebt, läuft irgendwas schief.
   (Christof Stählin spricht in diesem Kontext von einer Verletzung des “inneren Kreises”, vgl.
  
www.sago-schule.de).

8. Je nach Rahmen einer Veranstaltung, die ich bewerbe, nenne ich mich offen gestanden auch eher
   lieber mal Songwriter, obwohl es eigentlich Quatsch ist...
   Beide tun im Grunde das Gleiche. Aber es gibt eben diese Konnotationen, die mit den Begriffen
   mitschwingen. Ordnen Sie beiden mal entweder eine Gitarre oder ein Klavier zu, auch hier gibt es selt-
   samer Weise klare Tendenzen. (Obwohl-, - , - , hm...)
   Ähnlich schwierig ist es mit dem Begriff “Chanson”. Ich habe ihn weitgehend aus Selbstbeschreibungen
   gestrichen, weil zu wenig von dem Wortwitz darin mitklingt, der mir in den Liedern auch wichtig ist...
   ein “Chansonabend”  weckt andere Erwartungen als ein “Abend mit Songs”.

9. Für mich nicht. Ich mag Soloprogramme deshalb besonders, weil ich da an etwas feilen kann, was 
   man so als “roten Faden” bezeichnet. Ich mag es, wenn die Stücke doch irgendwie eine innere
   Verbindung haben. Wenn Schluss und Anfang irgend etwas miteinander zu tun haben. Wenn man so
   etwas wie thematische “Fährten” legen kann. Ohne aufdringlich zu sein.
   Wenn es wirklich so etwas wie ein “Gesamtkonzept” gibt. Wenn ich mir deshalb auch tausend Gedanken
   über die Reihenfolge machen kann und über die Zwischenmoderationen oder die gesprochenen Stücke.
   Vielleicht ist mir deshalb auch der Begriff “Kleinkunstprogramm” nicht unwichtig.

10. na siehste, auweia, erwischt! Klar, doch auch wieder ne Art der Selbstdarstellung... Die hier auf der
     Homepage aber hoffentlich weit genug entfernt ist von meinen Liedern  und Auftritte nicht stört.
  
11. Einen Augenblick bitte, haben Sie hier bisher irgendwo das Wort “Liedermacherin” gelesen?
     Nein, ich fand diese Überbetonung von femininen Endungen zur Behauptung des entsprechenden
   Geschlechts schon immer irgendwie  albern. Und eine Emanze bin ich schon gar nicht.
   Wenn auch den weiblichen Pionieren in Sachen Gleichberechtigung sicher einiges an Respekt
   und sicher auch Dankbarkeit gebührt, war mir die ganze Thematik schon immer suspekt und oft zu
   verbissen. Selten sind wir allerdings schon, und zwar jede einzelne.