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1. Wenn dieser Satz hörbar wird, stellt sich mir immer die Frage, inwiefern da jemand spricht, der sich überhaupt schon mit der aktuellen Szene befasst hat- sei es über Veranstaltungen, Magazine wie den Folker www.folker.de oder ähnliches. Sicher gibt es die breite Medienaufmerksamkeit für Liedermacher heute nicht ( mehr). Aber es gibt eine Szene, eine sehr lebendige, mit vielen kreativen Geistern, die durchaus auch schon Publikum gefunden haben und finden. Die breite Öffentlichkeit kennt sie nur nicht. vgl. myspace
2. wage ich zu bezweifeln- die Medien würden die Vertreter deutschsprachiger Musik spielen, die auch jetzt ab und zu zu hören sind, Wecker, Wader, Mey, Grönemeyer, Naidoo,...; der alternativen Musikszene, die zum größten Teil z.B. CDs auch im eigenen Label produziert, würde deshalb noch lange nicht die Aufmerksamkeit zuteil, die ihr zusteht. Dafür sorgen schon die großen Plattenfirmen und das “Abnudelsystem” der Rundfunk-Sender.
3. Arbeiten eines Liedermachers? Ich seh mich immernoch als Anfängerin, aber auch da (oder grade da) steht einiges an: Üben und in Übung bleiben sowohl bezüglich der Liedtexte als auch der Liedbegleitung, , Stunden für Veranstalter-Recherche und Akquise am Computer verbringen, Homepagepflege, Kontaktpflege, Texten & Arrangieren neuer Lieder, Konzeption von CD-Produktionen, Erstellung von Werbematerialien, Formalkram mit GEMA und GVL, Auftritte vor- und nachbereiten, und Schreiben, ob mit oder ohne momentane Inspiration und Kerzenschein...und Hausarbeit!
4. Poesie, Humor & Verstand versus Pseudo-Tiefschürfen ist mein Motto. Ich hoffe, ich werde ihm gerecht. Musikalisch sind die heute gestellten Ansprüche an Songwriter/ Liedermacher um einiges gestiegen. Viele haben ein entsprechendes Studium absolviert. Viel Arbeit wird investiert, um mehr zu bieten als die gängige Dur-Kadenz. Ebenso wird an Moderationen nicht wenig geschliffen und der Anspruch geht im Großen und Ganzen doch hinaus über die ichbezogene Beschreibung des Entstehungskontextes eines Liedes. Sofern es gut gemacht ist und nicht bei jeder Moderation anklingt oder wirklich interessant ist- finde ich aber letztere auch verzeihlich.
5. Was ein Liederschreiber von der GEMA kriegt für ein mit eigenen Stücken absolviertes Konzert, weiß er in den meisten Fällen nicht. Ich weiß es wirklich nicht im geringsten abzuschätzen und gehe von einem Minimalbetrag aus. Liebe Veranstalter, das Komponieren und Texten macht wirklich einiges an Arbeit, v.a. wenn man sich nich gleich mit dem erstbesten Reim zufrieden gibt. Bitte muten Sie uns nicht auch noch zusätzliche Kosten zu. Obgleich klar ist, dass der geforderte Betrag nicht selten auch an Ihrer Existenz kratzt.
6. Ich unterstelle, dass man zu einer zwanghaften Thematisierung der eigenen Tätigkeit am ehesten im Anfangsstadium geneigt ist. Obwohl es natürlich immer ein gewisser Drahtseilakt bleiben wird, inwiefern man eigenen Gedanken nun so viel Bedeutung zugesteht, dass man sie für ein Lied aufgreift oder nicht. Wie kommt man überhaupt dazu, einen Gedanken so wichtig zu nehmen, dass man seine Zeit damit verbringt, ihn zu einem Lied zu verarbeiten- statt in dieser Zeit etwas konkret Sinnvolles zu tun, wie neue Glühbirnen einzuschrauben, oder endlich im Wohnzimmer aufzuräumen? Irgendwo muss da schon eine Art Eitelkeit vorhanden sein... Was gibt einem das Recht dazu, einer Inspiration zu folgen, statt wie so viele andere auch einfach einer stinknormalen vordergründig nützlichen Arbeit nachzugehn? Aber das ist schon die Frage nach der Existenzberechtigung von Künstlern allgemein- zu viel für einen Sonntagnachmittag... “Ich singe, weil ich ein Lied hab...” würde mir Hr. Wecker jetzt wohl entgegenschmettern- alla guut
7. Es gibt zum Glück viele, die diesem Vorurteil nicht gerecht werden. Sicher ist häufig ein gewisser autobiografischer Anteil zu spüren- und in diesem Zusammenhang auch etwas wie wirkliche “Authentizität”- aber schwierig wird es für mich an dem Punkt, wenn sich der Zuschauer nur noch dauernd fragt, welches Erlebnis denn diesen Menschen nun wieder zu diesem Lied gebracht hat, anstatt frei seine eigenen Assoziationen dazu entwickeln zu können. Für mich ist es ein wichtiges Ziel, jede Art unnötiger bzw. störender Selbstdarstellung zu vermeiden. Wenn letztere sich zwischen das Lied und den Zuhörer schiebt, läuft irgendwas schief. (Christof Stählin spricht in diesem Kontext von einer Verletzung des “inneren Kreises”, vgl. www.sago-schule.de).
8. Je nach Rahmen einer Veranstaltung, die ich bewerbe, nenne ich mich offen gestanden auch eher lieber mal Songwriter, obwohl es eigentlich Quatsch ist... Beide tun im Grunde das Gleiche. Aber es gibt eben diese Konnotationen, die mit den Begriffen mitschwingen. Ordnen Sie beiden mal entweder eine Gitarre oder ein Klavier zu, auch hier gibt es selt- samer Weise klare Tendenzen. (Obwohl-, - , - , hm...) Ähnlich schwierig ist es mit dem Begriff “Chanson”. Ich habe ihn weitgehend aus Selbstbeschreibungen gestrichen, weil zu wenig von dem Wortwitz darin mitklingt, der mir in den Liedern auch wichtig ist... ein “Chansonabend” weckt andere Erwartungen als ein “Abend mit Songs”.
9. Für mich nicht. Ich mag Soloprogramme deshalb besonders, weil ich da an etwas feilen kann, was man so als “roten Faden” bezeichnet. Ich mag es, wenn die Stücke doch irgendwie eine innere Verbindung haben. Wenn Schluss und Anfang irgend etwas miteinander zu tun haben. Wenn man so etwas wie thematische “Fährten” legen kann. Ohne aufdringlich zu sein. Wenn es wirklich so etwas wie ein “Gesamtkonzept” gibt. Wenn ich mir deshalb auch tausend Gedanken über die Reihenfolge machen kann und über die Zwischenmoderationen oder die gesprochenen Stücke. Vielleicht ist mir deshalb auch der Begriff “Kleinkunstprogramm” nicht unwichtig.
10. na siehste, auweia, erwischt! Klar, doch auch wieder ne Art der Selbstdarstellung... Die hier auf der Homepage aber hoffentlich weit genug entfernt ist von meinen Liedern und Auftritte nicht stört. 11. Einen Augenblick bitte, haben Sie hier bisher irgendwo das Wort “Liedermacherin” gelesen? Nein, ich fand diese Überbetonung von femininen Endungen zur Behauptung des entsprechenden Geschlechts schon immer irgendwie albern. Und eine Emanze bin ich schon gar nicht. Wenn auch den weiblichen Pionieren in Sachen Gleichberechtigung sicher einiges an Respekt und sicher auch Dankbarkeit gebührt, war mir die ganze Thematik schon immer suspekt und oft zu verbissen. Selten sind wir allerdings schon, und zwar jede einzelne.
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